
Obwohl immer mehr Radreisende für die An- und Abreise die Bahn statt das Auto nutzen, sind viele von ihnen unzufrieden mit dem Angebot. © ADFC/Gloger
Verkehrsmittelwahl bei Radreisende und Tagesausflügler:innen
Die ADFC-Radreiseanalyse liefert Daten zum Radreise- und Ausflugsverhalten. Mit welchen Verkehrsmitteln kommen Radreisende, Tagesausflügler:innen und Urlauber:innen an ihr Ziel. Der ADFC hat fahrradfreundliche Mobilitätsketten ausgewertet.
Mit welchem Verkehrsmittel man anreist, beeinflusst, wie klimafreundlich eine Reise insgesamt ist: Rund 75 Prozent der Emissionen entstehen durch die An- und Abreise.
Der ADFC hat in der ADFC-Radreisenanalyse 2025 nachgefragt: Wie häufig werden Bahn und öffentliche Verkehrsmittel für Radreisen, Urlaube mit dem Rad und Tagesausflüge genutzt? In welchen Radreisesegmenten nutzen die Menschen eher den Pkw? Was kann getan werden, um Reisen und Ausflüge mit Rad und Bahn angenehmer und attraktiver zu machen?
Die ADFC-Radreiseanalyse erfasst Radreisen (Radfahren als Hauptbestandteil der Reise), Tagesausflüge mit dem Fahrrad (alle Ausflüge, die nicht im Urlaub unternommen wurden) sowie das Radfahren im Urlaub (Radfahren ist hier nicht Hauptbestandteil der Reise). Der ADFC stellt fest: Die Wahl der Verkehrsmittel für die An- und Abreise unterscheidet sich in den Radreisesegmenten.
Radfahren im Urlaub: maximal flexibel bleiben
34 Prozent derjenigen, die das Rad im Urlaub genutzt haben, tun dies, weil ihnen das Rad mehr Flexibilität bietet. Ihre beliebtesten Verkehrsmittel für die An- und Abreise sind:
1. Pkw (64 %)
2. Bahn/öffentliche Verkehrsmittel (11%)
3. Flugzeug (8 %)
4. Wohnwagen/Wohnmobil (13 %)
5. Fahrrad (4 %)
Quelle: ADFC-Radreiseanalyse 2025; Bezug: Personen, die im Urlaub Rad gefahren sind; n = 2.889 | Frage: Welches Verkehrsmittel haben Sie zur
An- und Abreise für diese Reise genutzt?
Anders als bei Radreisen wird bei Urlaubsreisen mit Fahrradnutzung für die An- und Abreise meist das gleiche Verkehrsmittel genutzt: 63 Prozent der Personen, die im Urlaub Rad fahren, nehmen ihr eigenes Fahrrad mit – der Anteil blieb im Vergleich zur letzten Befragung stabil.
Der Modal Split bei Reisen mit Fahrradnutzung fällt klimafreundlicher aus als in der Erhebung der FUR zu allen Urlaubsreisen: Mit 45 Prozent lag dort 2024 das Flugzeug vor dem Pkw (38 %, inkl. Wohnmobil) und vor der Bahn (6 %). 1
1 Methodische Unterschiede, die zu berücksichtigen sind: Die Reiseanalyse erfasst Urlaubsreisen ab 5 Tagen Dauer und der Anteil der Auslands- und Fernreisen ist deutlich höher als bei Radreisen. (Schmücker u. a. 2025)
Woher kommen diese Unterschiede? Reisen mit Radnutzung finden vor allem im Inland (54 %) oder in den Nachbarländern statt, die gut mit Rad und Bahn erreichbar sind (Top 5: Niederlande, Italien, Frankreich, Österreich, Dänemark).
Tagesausflüge mit dem Rad starten meistens zu Hause
91 Prozent der Tagesauflügler:innen starten ihre Ausflüge überwiegend von zu Hause aus. Bei Ausflügen, die an anderen Startpunkten beginnen, nutzen sie vor allem Pkw (45 %), Regional- und Fernverkehr (31 %) oder öffentlichen Nahverkehr (19 %).
Die beliebtesten Monate für Tagesausflüge sind Mai, Juni, Juli und August. Zu dieser Zeit ist mit einer starken Auslastung der öffentlichen Verkehrsmittel zu rechnen. Das führt dazu, dass Tagesausflügler:innen lieber das Auto nehmen oder direkt von zu Hause starten.
(Grafik Saison Tagesausflüge)
Welche Rolle spielt das Deutschlandticket bei Tagesausflügen?
Mehr als die Hälfte der ÖV-Nutzer:innen (53 %) waren mit dem Deutschlandticket unterwegs. Ihr Anteil ging seit der letzten Befragung 2023 um sechs Prozentpunkte zurück. Betrachtet man die Zahlen von 2021 zeigt sich aber, dass der Bahn- und ÖV-Anteil seit Einführung des Neun-Euro-Tickets insgesamt um rund 14 Prozentpunkte gewachsen ist.
Radreisen: Mehr als die Hälfte reist klimafreundlich an und ab
Die drei beliebtesten Verkehrsmittel für die An- und Abreise bei Radreisen sind der Pkw, die Bahn und das Fahrrad. Der Pkw-Anteil ist bei längeren und kürzeren Radreisen vergleichbar. Kurzreisende nutzen das Fahrrad deutlich häufiger auch für die An- und Abreise. Das hängt auch damit zusammen, dass die Ziele für Kurzreisen näher am eigenen Wohnort liegen.
(Grafik VKM für An- und Abreise 1-2 Ü)
Bei längeren Radreisen werden teilweise unterschiedliche Verkehrsmittel für die An- und die Abreise gewählt. Beispielsweise starten Radreisende direkt von zu Hause, befahren einen Radfernweg und kehren mit der Bahn nach Hause zurück.
Auch wenn der Pkw die Bahn als beliebtestes Verkehrsmittel der Radreisenden auf Platz 2 verdrängt hat, bleibt der Anteil der Bahnreisenden mit 36 bei der Anreise und 37 Prozent bei der Abreise sehr hoch. Fasst man alle klimafreundlichen Verkehrsmittel bei längeren Radreisen zusammen, kommt man auf einen Anteil von 53 Prozent.
(Grafik VKM ab 3 Ü)
Wie bei den Reisen mit Radnutzung beschrieben, ergeben sich die Unterschiede auch durch die gewählten Reiseziele bei Radreisen: 60 Prozent der längeren Radreisen werden in Deutschland unternommen. Die beliebtesten Auslandsziele sind Nachbarländer: Österreich, Italien, Frankreich, Niederlande und die Schweiz. Es lässt sich vermuten, dass sie auch deshalb ausgewählt wurden, weil sie mit Rad und Bahn gut erreichbar sind.
Für 55 Prozent der Radreisenden, die längere Reisen unternommen haben, [AK4] [4795] war die An- und Abreise (überwiegend)[AK6] mit öffentlichen Verkehrsmitteln problemlos möglich, bei den Kurzreisen waren sogar 61 Prozent. Nach wie vor wird die An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Radreisenden am kritischsten eingeschätzt[AK7] , und es besteht ein hohes Verbesserungspotenzial. Dennoch sehen viele viel Verbesserungspotenzial bei der Kombination von Rad und Bahn.[AK8] Eine unkomplizierte An- und Abreise ist wichtiges Kriterium[AK9] . Wird es kompliziert, spricht das gegen eine Radreise: 26 Prozent derjenigen, die in den letzten drei Jahren keine Radreise unternommen haben, empfinden die An- und Abreise als zu kompliziert[AK10] .
ADFC-Empfehlungen
Die hohe Auslastung der Fahrradplätze in der Bahn während der Saison lässt darauf schließen, dass es bei allen beschriebenen Zielgruppen Potenzial gibt, die Anteile der klimafreundlichen Verkehrsmittel zu steigern und so verkehrsbedingte Emissionen zu senken. Die überwiegende Mehrheit möchte das eigene Fahrrad nutzen, deshalb ist die Fahrradmitnahme ein wesentlicher Bestandteil der nachhaltigen touristischen Mobilitätskette.
- Menschen, die das Rad im Urlaub nutzen, haben die größte Offenheit Mieträder zu nutzen. Ein attraktives und breit kommuniziertes Mietradangebot kann sie dazu bewegen, das eigene Rad und den Pkw zu Hause zu lassen und auf die Bahn umzusteigen. Zudem brauchen sie vernetzte Mobilitätslösungen vor Ort, da sie das Fahrrad nicht an jedem Tag ihres Urlaubs nutzen.
- Tagesausflügler:innen benötigen neben höheren Kapazitäten bei der Fahrradmitnahme in den Regionalzügen auch Informationen zur aktuellen Auslastung auf den beliebten Strecken.
- Radreisende legen besonderen Wert auf die Mitnahme des eigenen Fahrrads, deshalb sind für sie die Fahrradmitnahme-Kapazitäten entscheidend. Da sie oft Bundesland- und Tarifzonengrenzen überschreiten, brauchen sie bundesweit einheitliche Mitnahmeregelungen für Fahrräder – analog zum Deutschlandticket. Ein solches Angebot überzeugt auch diejenigen, denen die Anreise mit der Bahn zu kompliziert ist.
Unabhängig vom Radreisesegment brauchen alle Radtourist:innen:
- ein angemessenes Platzangebot in Bussen und Bahnen
- eine bundesweit einheitliche Mitnahmeregelung für Fahrräder
- barrierefreie Fahrzeuge und Haltepunkte
Überblick der Empfehlungen
| Zielgruppe | Top 3 Verkehrsmittel | Besonderheiten | Empfehlungen |
| Radfahren im Urlaub | 1. Pkw (64 %) 2. Bahn/öffentliche Verkehrsmittel (11 %) 3. Flugzeug (8 %) | hoher Anteil an Mieträdern | Mietradangebot ausbauen und bewerben; vernetzte nachhaltige Mobilitätslösungen in der Destination (z. B. Gästecard inkl. ÖV-Nutzung; Leihradangebot an Bahnhöfen) |
| Tagesausflüge | 1. Fahrrad (91 % starten direkt vor der Haustür) 2. Pkw (45 %) 3. Bahn (31 %) 4. ÖV (19 %) | spontane Planung; Flexibilität; Nahziele im Fokus; hohe Auslastung an Wochenenden und Feiertagen | Informationen zur aktuellen Auslastung; Tourenempfehlungen direkt ab der Haustür; Alternativen zu besonders beliebten Tagestouren kommunizieren, um Gäste besser zu verteilen |
| Radreisende ab 3 ÜN | 1. Pkw (Anreise 39 %/Abreise 38 %) 2. Bahn (Anreise 36 %/Abreise 37 %) 3. Fahrrad (Anreise 14 %/Abreise 12%) | Planung langfristig; fahren auch entferntere Ziele an und nutzen den Fernverkehr | Buchbarkeit und Reservierung vereinfachen; bundesweit einheitliche Mitnahmeregelungen |
| Radreisende 1-2 ÜN | 1. Pkw (Anreise 36 %/Abreise 35 %) 2. Fahrrad (Anreise 33 %/Abreise 33 %) 3. Bahn/ÖV (Anreise 26 %/Abreise 27 %) | vergleichbar mit Tagesausflügen | vergleichbar mit Tagesausflügen |
| Alle | angemessenes Platzangebot in Zügen und Verkehrsmitteln, bundesweit einheitliche Mitnahmeregelung von Fahrrädern, Haltestellen und Fahrzeuge müssen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität geeignet sein (z. B. Rollstühle, Kinderwagen, Gepäck und Fahrräder) |

Die ADFC-Radreiseanalyse erfasst das Radreise- und Ausflugsverhalten der deutschen Wohnbevölkerung ab 18 Jahren. Die repräsentative Umfrage wurde von Oktober bis Mitte Dezember 2025 erhoben. Insgesamt standen 17.314 auswertbare Fragebögen zur Verfügung.
Die Radreiseanalyse erfasst Radreisen (Radfahren als Hauptbestandteil der Reise), Tagesausflüge mit dem Fahrrad (welche nicht im Urlaub unternommen wurden) sowie das Radfahren im Urlaub (Radfahren ist nicht Hauptbestandteil der Reise).
Weitere Zahlen, Daten, Fakten der Radreiseanalyse: www.adfc.de/radreiseanalyse2025
Quellen
Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e. V., Hrsg. 2025. Reiseanalyse 2025 - Erste ausgewählte Ergebnisse. Nr. 55. Reiseanalyse.
Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. reiseanalyse.de/downloadbereich/erste-ergebnisse/.
Schmücker, Dirk, Nadine Yarar, Rieka Oldsen, Martin Lohmann, und Ulf Sonntag. 2025. Reiseanalyse Trendstudie 2035: Urlaubsnachfrage im Quellmarkt Deutschland. F.U.R. Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen.








